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Bobgeschichte und Historie der Olympia-Bobbahn am Riessersee

Spontan, aus einer Lust am Rodeln heraus wurde der Bobsport geboren, und Pate standen dabei die, die dazu berufen waren: England und die Schweiz.
Junge Briten waren es, die in den Schweizer Bergen zwei Rodelschlitten zusammenbanden und so unbewusst den ersten Bob „erfunden“ hatten. Der vordere Schlitten war durch die Zusammenkupplung lenkbar, während auf dem hinteren Gefährt der Bremser saß. Das war gegen Ende des 19.Jahrhunderts und niemand konnte damals ahnen, dass sich aus diesem spielerischen Vergnügen einmal eine rasante und überaus spannende Wintersportart entwickeln würde.
Im Jahre 1888 wurde in der Werkstatt des schweizerischen Schmiedes „Matthys“ der erste Bobschlitten fabriziert. Dann bauten auch Carl und Fritz Feierabend aus Engelberg ihre berühmten Bobs. Aus dem Doppelrodel entstand ein stahlkonstruiertes Fahrzeug. Aber noch war es ein weiter Weg bis hin zu einem organisierten Sport. Das Wesentliche zu seiner Entwicklung fehlte noch: die Rennbahn. Erst nach der Erbauung einer wirklichen Bobbahn war es möglich, das Fahrzeug „auf Touren“ zu bringen, denn auf die Dauer mussten die bisher auf gewöhnlichen Straßen und Wegen erzielten Geschwindigkeiten von etwa 40 Stundenkilometern reizlos bleiben.


Die Sunny-Corner auf der Bobbahn in St. Moritz

Der 1897 gegründete „Saint Moritz-Bobsleigh-Club“  ist der älteste Bobclub der Welt – doch es fehlte die ersten Jahre eine standesgemäße Bahn. Endlich! Im Winter 1903/04 war es so weit, die Schweizer konnten die erste Bobbahn, zwischen den Orten St. Moritz und Celerina gelegen, eröffnen. Hier also steht die Wiege des Bobsports und hier wurden die Erfahrungen gesammelt und später in vielen Ländern verwertet, wo sie in Bezug auf Bahnbau und Rennen Anwendung fanden. Bald regten sich auch im benachbarten Deutschland die ersten Bobfahrer. Bereits im Jahre 1905 starteten auf der Dorfstraße von Schreiberhau (Riesengebirge) die ersten Bobs. Es folgten die Orte Oberhof, Hahnenklee, Bad Kohlgrub, Garmisch-Partenkirchen, Winterberg, Krummhübel, Schierke, Triberg, Friedrichsroda, Ilmenau, Flinsberg, Schmiedeberg u.a. mit teilweise beeindruckenden Bahnanlagen. So war beispielsweise die 1907 in Kohlgrub beim Kurhotel gebaute Bahn 2000m lang und verfügte über eine eigene Wasserleitung. Sie hatte allerdings nur zwei Jahre Bestand.


In den Anfängen des Bobsports gab es noch
5´er Liegebobs

1909: Im Februar berichtet der Vorstand des Verschönerungsvereins Garmisch, Ingenieur Zoeppritz, über seine Eindrücke von den wintersportlichen Einrichtungen in Oberhof in Thüringen. Am meisten hatte es ihm die dortige Bobsleighbahn angetan, die er als „erstklassig“ bezeichnet: „ Wenn man in Garmisch etwas Ähnliches schaffen will, so ist die Erbauung einer Bobsleighbahn unerlässlich, sonst kommt uns ein Konkurrenzort wie„Kohlgrub“ zuvor. Der Münchner Sportclub hatte das Bobfahren in Bayern, in Kohlgrub, eingeführt und seine Aktiven konnten den neuartigen Wintersport auf der mit Hilfe des dortigen Kurhotels erbauten Bobbahn 1908-1909 ausgeübt. Wegen Gefährlichkeit wurde die Kohlgruber Bobbahn aber bald aufgegeben und der Bobsport verlagerte sich ins Loisachtal. Der „Verkehrs- und Wintersportverein Garmisch“ wurde ins Leben gerufen und auch der Nachbarort Partenkirchen hatte seinen „Rodel- und Skiclub“.

Am 18. November 1909 kann der „Loisachbote“ berichten: Der Bau der Bobschlittenbahn am Riessersee schreitet schnell voran. Zur Zeit arbeiten an der Bobbahn über 40 Mann. (Unter ihnen, wie das damals selbstverständlich war, auch Herren des Vorstandes und Clubmitglieder). Am 5. Dezember 1909 ist die neue Bobschlittenbahn am Riessersee in einer Länge von 1400 m nach den Plänen von Ingenieur Zoeppritz fertig gestellt. Durch Tauwetter verzögert feiert Garmisch am 6. Februar 1910 die Eröffnung der Bahn am Riessersee.

 


5´er Bob in Winterberg
 
Aufbau der Zielkurve an der Riessersee Bobbahn

Endlich, am 7. Februar 1910 ist es so weit: Unter den Augen einer sehr großen Zuschauermenge haben sich sieben Mannschaften am Start eingefunden. Jeder der Fünfer-Bobs fährt zwei Mal. Die ersten Garmischer Schlitten sind aus Holz gefertigt und - soweit sie nicht Eigenkonstruktionen darstellen - von einem Bobbauer aus Kitzbühel bezogen. Erster im Premiere-Rennen wird der Bob „Zugspitze“ mit der Besatzung Alois Adam, Heinrich Clausing sen., Karl Bischoff u.a. Das Preisgericht und die Zeitrechnung werden vom Partenkirchner Rodel- und Skiclub betreut. Nach dem Rennen findet ein großes Festbankett bei Buchwiesers im Hotel Riessersee statt. Der Sportfreundlichkeit und Initiative der Hoteliersfamilie Buchwieser ist es zu verdanken, dass dort oben am Riessersee ein Wintersportbetrieb entstehen konnte. Die Entwicklung geht nun in großen Schritten voran. Im nächsten Winter verlegt der Münchener Sportclub seine Bobsleigh-Abteilung von Kitzbühel nach Garmisch. 1910 baut Josef Neuner (Pflegersee) mit seinem Bruder Johann Neuner (Veitlschmied) nach eigenen Plänen zusammen mit Kaspar Ostler, dem späteren Bürgermeister von Garmisch, den Bob „ Werdenfels“ aus Holz. Mit diesem Gefährt siegt er 1916 und 1917 bei der Süddeutschen Bobmeisterschaft, die selbst in dieser Kriegszeit ausgetragen wird.
Doch schon zuvor, im zweiten Jahr ihres Bestehens, hat die Riesserseebobbahn, durch den Ausbau der Kurven und der Strecke schneller und gefährlicher geworden, bereits ihr erstes Todesopfer gefordert: Am 5. Januar 1911 rast beim Training der Fünferbob, von Ullmann gesteuert, über die Schutzwand der Vorkurve hinaus. Mit voller Wucht wird der Schlitten an einen Baum geschleudert. Der hinter dem Lenker sitzende junge Zahnarzt Oberüber stirbt nach wenigen Minuten an den Folgen eines schweren Schädelbruchs.

Am 24. Januar 1911 übernimmt der neugegründete Verein die Bobbahn als Eigentum, hält sie in Stand, veranstaltet Rennen und verbessert die Fahrmöglichkeiten. Die Bahn wird bis Winter 1913/14 für viele Veranstaltungen genutzt. Dann tritt durch den ersten Weltkrieg eine längere Pause ein, während der die Bahn sich selber überlassen bleibt und allmählich verwahrlost. Erst am 26. Dezember 1920 fahren wieder Bobs auf der Bahn am Riessersee, zuvor unter tatkräftiger Hilfe der Mitglieder wieder instand gesetzt. Am 12. Oktober 1920 wird der „Sportclub Rissersee“ gegründet. Am 1. Januar 1921 übernimmt der Bobclub oder auch „Bobsleigh-Club Garmisch-Partenkirchen“ (man beachte die Vorwegnahme der Ortsvereinigung) sämtliche Sportanlagen am Riessersee und an den Riesserseehängen, die von der Familie Buchwieser zur Verfügung gestellt werden. Lediglich drei! der 87 Gründungsmitglieder stammen aus Garmisch oder Partenkirchen.

Doch bald darauf schon betritt erstmals ein einheimischer Bobpilot die internationale Bühne.  In den zwanziger und dreißiger Jahren wird der Garmischer Hanns Kilian mit seiner Mannschaft drei Mal Weltmeister und gewinnt 1928 in St. Moritz bei der Olympiade die Bronzemedaille. Später übernimmt Kilian das Amt des Präsidenten des Deutschen Bob-und Schlittensportverbandes und des Weltverbandes (FIBT).

Hanns Kilian und Sebastian Huber Deutscher Meister 1930 im Zweierbob
 
Bei den Olympischen Spielen 1936 Platz 7:
Hanns Kilian, Sebastian Huber, Fritz Schwarz und Hermann von Valta

Zur Winterolympiade 1936 wird die Bobbahn völlig umgebaut und modernisiert. Sie ist nun 1640 m lang. Seit dieser Zeit zählt die Bahn zu den schönsten und interessantesten Bobbahnen der Welt. Aber der Krieg bremst das Sportgeschehen am Riessersee aus. Bei den bereits nach Garmisch-Partenkirchen vergebenen Olympischen Winterspielen 1940 wäre die Bahn erneut im Mittelpunkt des Weltinteresses gestanden.
Nach Ende des Krieges ist es Pepi Buchwieser, der unermüdlich tätig ist, um die Bahn, die inzwischen auch von den Amerikanern „entdeckt“ worden ist, wieder fahrbar zu machen. Der Name des Grainauers Anderl Ostler rückt immer mehr in den Vordergrund. 1950 ist Anderl Ostler mit Wackerle, Winkler und Nieberl Deutscher Meister. Deutschland ist zwar wieder in die FIBT aufgenommen, ein Start von Anderl Ostler bei der Weltmeisterschaft in Cortina scheitert jedoch an willkürlichen Pass-und Zollschwierigkeiten. 1951 will Frankreich die Deutschen nicht zur Weltmeisterschaft zulassen. Mr. Donna Fox (USA) vermittelt. Der schwedische Bob-Präsident macht sogar eine Teilnahme der eigenen Mannschaft von der Zulassung der Deutschen abhängig. Sie haben es geschafft! Weltmeister im Zweier- und Viererbob Anderl Ostler, Lorenz Nieberl, Xaver Leitl und Michl Pössinger. Und 1952 die Krönung bei der Olympiade in Oslo: Doppelolympiasieger und Begeisterungsstürme in der Heimat!
Anschließend führt man eine Gewichtsbeschränkung ein. Diese Änderung hatte zwei Gründe: Erstens schrieb man besonders Ostlers Viererbob-Erfolg dem hohen Gewicht seiner Mannschaft mit 900 Kilogramm zu, der in der Presse als „German Fleischbob“ bezeichnet wurde, zweitens rissen die schweren Viererbobs bei den hohen Geschwindigkeiten große Löcher und gefährliche Rillen in die Fahrspur Bis heute gelten die Gewichtsbeschränkungen für die Besatzung im Zweierbob von 200 kg und im Viererbob von 400 kg.


Hans Rösch wurde 4 x Deutscher- und
1958 Weltmeister.
Hier mit Michael Pössinger, Dix Terne und Ferdl Wackerle

 
Anderl Ostler als 4er Bob Weltmeister 1951 in
Alpe d´Huez

Ein Jahr darauf fordert der Eiskanal oberhalb des Riessersees nach dem Tod des erst 21-jährigen Leonhard Lang aus Hammersbach (1934) ein viertes Todesopfer. Nur eine Woche, nachdem er auf der Bahn Weltmeister im Zweier geworden war, verunglückt der Schweizer Bobpilot Felix Endrich am 31. Januar 1953 unter den Augen seiner frisch angetrauten Frau in der Bayernkurve tödlich. Anderl Ostler gelingen bei diesen so tragisch verlaufenen Weltmeisterschaften seine letzten Erfolge jeweils als Vizeweltmeister.


Todessturz von Felix Endrich in der Bayernkurve

1958 wird das aus deutscher Sicht erfolgreichste Jahr der Riesserseebahn. Die einheimische Viererbobmannschaft mit Hans Roesch, Alfred Hammer, Theo Bauer und Walter Haller werden Weltmeister, der junge Ohlstädter Franz Schelle mit Eduard Kaltenberger, Josef Sterff und Otto Göbl erringt die Silbermedaille.


Vierer-Bob-Weltmeister 1962  Josef Sterff,
Otto Göbl, Franz Schelle und Ludwig Siebert

Ihre Abschiedsvorstellung gibt die Bahn bei den Europameisterschaften 1966 im Zweierbob. Das Viererbobrennen kann wegen eines Wärmeeinbruchs nicht mehr durchgeführt werden.
Man kommt zu der Einsicht, dass das Risiko eines Rennausfalles und der Arbeitsaufwand zu groß geworden sind.  Eine Kunsteisbahn soll gebaut werden! Aber zwei beteiligte Hoteliers sind sich über den künftigen Standort nicht einig, so erhält Berchtesgaden mit Königssee den Zuschlag. Dann folgt der lange Dornröschenschlaf der legendären Riessersee-Bobbahn und das zuständige Forstamt plant schon, die Bahn einzuebnen, doch ein Mann kommt ihm zuvor. 2002 kann der bereits 70-jährige Konrad Spies nicht mehr zusehen, wie dieses sporthistorische Kulturerbe Garmischs verfällt und ergreift die Initiative. Erst allein, dann mit Hilfe von Bekannten, an erster Stelle von Franz Wörmann, legt er mit seiner „Rentnertruppe“, die fast völlig zugewachsene Bahn frei und macht sie begehbar. Der alte Bobschuppen wird wieder instand gesetzt und 2006 unter seiner Leitung als (inzwischen staatlich anerkanntes) und in Deutschland einzigartiges Museum eröffnet. Er sorgt auch dafür, dass die gesamte Anlage 2003 unter Denkmalschutz gestellt wird. Die SCR-Bobabteilung, vor allem Vorstand Rolf Lehmann Franz Wörmann und Peter Bürger nehmen dann das Ruder in die Hand und führen die Restaurierungsarbeiten weiter. Sie finden helfende Hände, bauen die fast völlig verrotteten Gebäude wieder auf, erneuern die Wasserversorgung und die Zuschauerbrücken und sorgen dafür, dass auf der legendären Bahn wieder Rennen stattfinden können.


Bobfahren ist Gefühlssache!!!

Die Kunst des Kurvenfahrens besteht in der richtigen Einschätzung des Tempos. Wenn man nämlich die Kurve mit einer niedrigen Geschwindigkeit zu hoch anfährt, rutscht man naturgemäß in der Mitte ab und verliert beträchtlich an Zeit. Fährt man aber bei hohem Tempo zu spät in die Kurve hinein, so wird man am Kurvenende zu hoch getragen und muss den Bob mit Gewalt herunterreißen, was ebenfalls wieder einen Verlust an wertvoller Zeit zur Folge hat, wenn es nicht sogar zum Kippsturz kommt. Das optimale Steuern eines Bobs ist Gefühlssache, dazu gehört eine richtige Einschätzung der Fahrgeschwindigkeit, ruhige Nerven, ein bisschen Mut mit genügend Kraft und Athletik.

Wichtig ist, dass die Kurven ruhig und exakt gefahren werden, also, dass der Steuermann sich nicht zum sogenannten Reißen verleiten lässt, denn jede unruhige Steuerbewegung oder gar Schleudern oder „Anbandeln“ kosten Zeit. Auch sollte sich die ganze Mannschaft im Schlitten ruhig und stabil verhalten und jederzeit im Bilde sein über die jeweilige Position in der Bahn sein. In einer brenzligen Situation müssen die Team-Mitglieder sofort reagieren können und sich gleichzeitig nach außen lehnen, um einen Kippsturz zu verhindern. Es kommt also auch auf die Erfahrung und das Zusammenspiel einer Mannschaft an. Heutzutage rückt mehr und mehr die Athletik in den Vordergrund, denn die Spitze im Bobsport ist so dicht und die Kunsteisbahnen sind so rund geworden, dass zu einem Gutteil die Startzeit über Sieg oder Niederlage entscheidet. Je ruhiger und sauberer aber eine Mannschaft fährt, desto besser sind die Zeiten. (Als Pilotenrezept gilt: Gefühl nicht nur in den Fingerspitzen, sondern auch im Allerwertesten!)
2011 trafen sich die ehemaligen Bobfahrer vom SCR und vom SV Ohlstadt in der Kantine am Riessersee. Viele der Anwesenden kannten die alte Bahn noch aus eigener Erfahrung. Hier wurde der Mythos und die Geschichte der Olympia-Bobbahn am Riessersee wieder lebendig.